Der richtige Moment…

Kennen Sie das, vielleicht weil Sie auch Fotograf sind?

Sie sehen etwas, daraus entsteht unmittelbar eine Idee für ein Bild … etwas „ruft". Aber Sie folgen diesem Ruf nicht. Das rennt ja nicht weg. Vielleicht weil Sie Ihre Kamera nicht dabei haben oder Sie diese nicht holen möchten, Sie haben keine Zeit, sind bequem usw. Manchmal ist die Kamera nicht griffbereit um eine Stimmung oder etwas „Besonderes" einzufangen, aber vielleicht hat der Fotograf alles an Bord was er braucht. Er zieht weiter, denkt: „Das hebe ich mir auf, für ein andermal".

Mir ging es oft so in meinem (fotografischen) Leben und die 3 Bilder in diesem Beitrag sollen eine besondere Form der Bequemlichkeit und ihrer Konsequenzen zeigen. Nicht weit von meinem Wohnort hier in Oslo gibt es einen kleinen Park, mit einem etwas eigenartig geformten Baum.

Uranienborgkirken, Oslo - Das erste Bild ...

Seit Jahr und Tag laufe ich dort vorbei, aber nichts hat mich bis dato „gerufen" oder meine Aufmerksamkeit geweckt. Ich meine es war im Herbst (?) 2023 als ich diesen Ort passierte. Die Sonne stand am Nachmittag, es war eine magische Stimmung, feines Spätherbstlicht. Dieses Motiv, die Atmosphäre…das hätte sich für meine Noblex-Kamera im Panoramformat sehr gelohnt. Den Bildausschnitt usw. hatte ich schon im Kopf, es war eine vage Idee.

Allein: Ich war nicht bereit meine Kamera (200 Meter Laufweg nach Hause) zu holen und habe mich auf einige Tage später vertröstet.

Gesagt, getan! Ca. vier oder fünf Tage später war ich wieder dort, gleiche Uhrzeit, gleicher Ort. Aber ich war etwas schockiert, vielleicht auch traurig: Der Baum war (ist noch immer) zwar da, aber das Motiv war weg. Inzwischen wurde eine Stütze unter einem Ast angebracht und es war nicht mehr das gleiche Motiv.

... und einige Tage später.

Die Kamera habe ich aufgebaut, aber kein Foto gemacht. Dieses Momentun habe ich sehr bedauert.

Seit diesem Tag gibt es dieses „ein andermal" weniger und ich versuche mehr den Moment auszuleben (solange die Kamera im Gepäck bzw. nicht soweit weg ist). Und ich versuche mehr im Moment zu sein und mich nicht zu vertrösten auf ein andermal. Noch Wochen später, es war bereits der erste zarte Schnee in de Stadt, habe ich mich geärgert diesen Augenblick nicht genutzt zu haben. Heute gehe ich manchmal da vorbei und die Kinder aus dem nahegelegenen Kindergarten nutzen den Baum zum Klettern.

... die Kamera hatte ich dabei, aber es war zu spät.

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Ich freue mich von Ihnen zu lesen, schreiben Sie mir.