Mit vielen Grüssen aus der fotografischen Dunkelkammer wünsche ich Euch und Ihnen einen schönen Start in den Frühling. Da ich immer wieder neugierige Nachfragen zu aktuellen Projekten, eventuell geplanten Ausstellungen usw. bekomme, möchte ich hier einige Zeilen und Gedanken dazu schreiben. Danke an dieser Stelle für alle Rückmeldungen, für Euren/Ihren kritischen Blick sowie für allerlei Rat und Zuspruch. Danke auch an all die sich zuletzt dazu entschieden haben, eine meiner Fotografien ihr Eigen zu nennen: Danke.

Ich kann (leider) nicht malen (wirklich nicht!), habe mich jedoch in den vergangenen fünf bis sechs Monaten sehr intensiv mit Malerei beschäftigt – mit Komposition in der klassischen Malerei ebenso wie mit einzelnen Malern und ihrem umfassenden Werk. Dabei habe ich weniger das Gefühl, mir diese Künstler bewusst auszusuchen, sondern eher den Eindruck, dass diese Maler und Malerinnen mich mit ihrem Schaffen gewissermassen „finden". Vor dem Jahreswechsel 25/26 waren dies Lucian Freud und Tamara de Lempicka, nach Neujahr Nicolas de Staël, anschliessend eine Zeit lang Edvard Munch (hier in Norwegen kaum zu umgehen). Im Moment beschäftigen mich besonders die Arbeiten von Lyonel Feininger. Ich finde es ungemein spannend, mich auf so unterschiedliche Stile und künstlerische Ausdrucksweisen einzulassen – ebenso wie auf die Lebensläufe der Künstlerinnen und Künstler mit ihren Brüchen und Kanten. Daraus nehme ich sehr viel mit: Von de Staël etwa lässt sich lernen, die Welt in abstrahierten Flächen wahrzunehmen, während Munch`s Farbensinn für mich immer wieder Rätsel und Neuentdeckung zugleich ist.

Zudem stelle ich fest, dass fotografisches Arbeiten nicht immer praktischer Natur sein muss. Es darf – oder sollte vielleicht sogar – auch viel Zeit in das „Durchdenken" von Dingen fliessen (seien es Ideen, Kompositionen oder Projekte), in die Beobachtung des Sonnenstandes zu verschiedenen Jahreszeiten oder auch in die Schulung der Wahrnehmung von Licht. Mir persönlich gefällt -diese meine neueste Entdeckung- das Licht an klaren Sonntentagen beispielsweise besonders, wenn ein starker Wind weht. Nun ja, im erwerbstechnischen Sinne ist das alles brotlos – und dennoch ein lohnenswerter Teil der kreativen Reise.

In letzter Zeit kommt mir immer wieder der Gedanke, 2027 erneut eine Ausstellung zu machen. Doch damit gehen auch viele Fragen, einher (und ich bin sehr schlecht in Entscheidungen treffen), hier einige als Beispiel: Welches aktuelle oder ältere Projekt möchte ich zeigen? Wie und wo könnte das stattfinden? Und soll es eine Begleitbroschüre geben? Gleichzeitig weiss ich gar nicht ob es wirklich wieder an der Zeit für eine Ausstellung ist denn ich stelle fest, dass sich meine fotografischen Projekte oft über lange Zeiträume erstrecken! „Gut Ding will Weile haben", heisst es – und tatsächlich weiss ich oft gar nicht genau, wann ein Projekt als abgeschlossen gelten kann?

Seit 2021 arbeite ich beispielsweise an «Oslo im Panorama», doch es kommen ständig neue Filmrollen hinzu, die entwickelt, gesichtet und geordnet werden wollen. Hinzu kommt, dass fertige Bilder vielleicht erst einmal ruhen sollten – zumindest, wenn man dem tschechischen Fotografen Josef Sudek folgt. Kürzlich bin ich auf folgendes Zitat von ihm gestossen: «Erst wenn die Erinnerung an das tatsächliche Erlebnis verblasst, erst dann kann ich überprüfen, wie die Aufnahme auf jemanden wirkt, der nicht mit mir zusammen die Wirklichkeit angeschaut hat. Ich glaube, dass bei solchen Fotografien, wie ich sie mache, Eile ein schlechter Ratgeber ist …» (Quelle: Joseph Sudek, „Nordböhmen", 27. Oktober – 4. Dezember 1998, Katalog zur Ausstellung in München, Seite 7).

Diese Idee, fotografische Arbeiten eine Zeit lang liegen zu lassen und später mit Abstand erneut zu betrachten, gefällt mir sehr – und ich möchte sie künftig stärker in meine eigene Arbeit einfliessen lassen. Also vielleicht klappt es erst in 2028 oder 2029 mit einer neuerlichen Ausstellung, Ideen dazu sind aber genug vorhanden.

Wie auch immer: Vieles nimmt langsam Form an – langsamer vielleicht als erhofft, aber stetig. Anbei (siehe unten) ein kleiner Einblick in die Dunkelkammer. Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, an Ostern bei bestem Licht zu fotografieren – eine kleine Pflanze im Glas. Heute (10. April '26) war ich den ganzen Tag damit beschäftigt, einige Abzüge (Positive) des Negativs «2026 – 016 – 35A» zu erstellen und habe dabei mit unterschiedlichen Farbfiltern (Kontraste) und Fotopapieren (von FOMA und ILFORD) experimentiert.

Ich habe mich jetzt auch dazu entschieden, meine Arbeiten nicht mehr zu limitieren. Der Verwaltungsaufwand ist hoch, und die Limitierung bringt zusätzliche Herausforderungen mit sich. Stattdessen gefällt mir der Gedanke, über die Jahre vielleicht hier und da einen neuen Abzug (ein neues Positiv) einzelner Negative anzufertigen. So gleicht kein Print dem anderen – sie mögen sich ähneln, bleiben jedoch stets unterschiedlich: durch veränderte Fotopapiere, den eigenen fotografischen Blick, die jeweilige Interpretation des Negativs oder den Einsatz unterschiedlicher Fotochemie.

Voraussetzung hierfür ist ein gut durchorganisiertes Archiv, in dem sich jedes Negativ präzise einordnen und zuverlässig wiederfinden lässt. Mein System orientiert sich dabei vorerst an der Jahreszahl (2026), der laufenden Nummer des Films („016" beispielsweise) sowie der jeweiligen Kennzeichnung des Negativs auf diesem Film (etwa Nr. „35A").

Gleichzeitig gibt es zahlreiche Negative, bei denen ich in der Dunkelkammer derzeit noch an die Grenzen meiner Möglichkeiten als Kopist stosse. In solchen Fällen ziehe ich es vor, die Bilder auf hochwertigem Hahnemühle-Papier (o. ä.) drucken zu lassen. Bekanntermassen führen viele Wege nach Rom – oder eben in den Echtholzrahmen.

Ich wünsche Euch und Ihnen eine gute Zeit. Bleiben Sie gesund.